"Der Zerfall der Person und des Weltbildes der Hanna Flanders ist ein synchroner Prozess, und in Roehlers Film muss nie der eine den anderen erklären. Das Unheimliche daran ist, wie beides ineinander greift. Und gerade weil der Stoff so persönlich ist, gewinnt er zugleich einen anderen Horizont: Verabschiedung, Trauerarbeit, Bilanz, Blick zurück ohne Zorn. In ´Die Unberührbare´ steckt eine nüchterne, aber nie teilnahmslose Haltung, mit der unsere Generation, die Kinder der späten Fifties, nicht nur auf ihre Eltern blickt, sondern vor allem auch auf die Generation der 68er, auf den selbstgerechten Antifaschismus und den dogmatischen Furor.
Ohne die Hauptdarstellerin wären das jedoch nur Thesen. Ein Zufall, dass sie Elsner heißt, Hannelore Elsner, die die Rolle ihres Lebens spielt, in die Figur hineinschlüpft und ihr gespenstisch ähnelt, wenn sie die Kleopatra-Perücke trägt. Wenn sie allein auf dem Sofa liegt in der feuchten, elenden Wohnung am Rande Berlins, wohin es sie verschlagen hat, bewegt sich die Kamera empor an ihrem Körper, ganz langsam, und als sie ihr ins Gesicht blickt, während sie versucht, Schlaf zu finden, da spiegelt sich auf einmal im Gesicht der Elsner eine Angst und Hilflosigkeit wie in der Mimik einer 20-jährigen, als äre sie nie erwachsen geworden. Und wo Hanna Flanders sich der Lächerlichkeit preis gibt, da erhält Hannelore Elsner ihr eine Würde, da schimmern die bröckelnde intellektuelle Arroganz und die Verzweiflung, die Angst vorm Leben so unübersehbar durch, dass man die Figur vielleicht nicht mögen, aber ihren Schmerz respektieren muss."

Frankfurter Rundschau (Peter Körte, 19.4.00)

"Hanna Flanders ist Gisela Elsner ist Oskar Roehlers Mutter; stimmt ja alles. Aber wozu - jenseits eines schmal ausbeutbaren innerfamiliären Schlüsselloch-Effekts - das biopic einer Autorin, die heute weithin vergessen ist? Gut, Gisela Elsner war eine Ausgemusterte des deutschen Literaturbetriebs; sie schwärmte, DKP-Vorstandsmitglied noch 1990, für eine DDR, die sie nie gesehen hatte. Von persönlichem Luxus total abhängig, verteufelte sie sogar den luxusfernen Nachholbedarf der Ossis nach dem Mauerfall: Man kann dies alles, auch mit einer am Einheitsdeutschland geschärften Skepsis, politisch deuten. Doch Roehler geht es weder um die plane Wiederentdeckung noch um den ästhetischen Gewinn für neue gesellschaftliche Selbstverständigungszwecke - und so hat er das verfügbare Material verdichtet und verfremdet. Geradezu chirurgisch präzis, aber auch mit verblüffender Wärme formte er aus der Biografie einer Außenseiterin, die vom Paranoischen ins Schizophrene hinüberfunkelte, ein überpersönliches Psychogramm der Einsamkeit - so inhaltlich dicht und ästhetisch streng, wie wir es seit Ingmar Bergman im Kino nicht mehr gesehen haben.
Das größte Verdienst aber an diesem, ja, schon meisterlich zu nennenden Werk, zu dem Roehler selbst - mit ein paar, allenfalls Sekunden raubenden Schwächen - ein klares, ökonomisches Drehbuch geschrieben hat, liegt in der Schauspielerführung. Mit Hannelore Elsner in der Titelrolle und Vadim Glowna (als Bruno) hat er zwei Schauspieler fürs Kino zurückerobert, die schon ganz ans Fernsehen oder ins Vergessenwerden weggegeben schienen; gleiches gilt für die Flanders-Eltern Helga Göhring und Charles Regnier. Auch manche derzeit viel und gern gesehene Akteure des deutschen Kinos, von Jasmin Tabatabai über Nina Petri bis zu Lars Rudolph, leuchten in prägnanten Nebenrollen wie lange nicht mehr. Alle aber, auch den atemberaubend zerlebt sich gebenden Vadim Glowna, überstrahlt Hannelore Elsner, furchtlos und leise in ihrem wachsenden Einsamkeitswahn: Haut, unter der immer wieder das Herz auszusetzen scheint, Diva unter Zentnern von Schminke - und nackt wie nie."

Der Tagesspiegel (19.4.00, Jan Schulz-Ojala)


"´Die Unberührbare´verknüpft auf erregende Weise Privates und Gesellschaftliches; so zählt der Film mehr über das Jahr der Einheit 1990 als die meisten anderen deutschen Filme zusammen.
Geradezu grandios ist das Spiel von Hannelore Elsner in der Titelrolle: fahrige Bewegungen und Blicke, Gesten der Unstetigkeit verdichten sich zum schonungslosen Porträt einer Frau, die sich zeit ihres Lebens von einer imaginären Nacht umgeben fühlte.
Am Ende des Films ist vieles gesagt, manches erklärt, alles offen. Was bleibt, ist Stoff zum Nachdenken in Hülle und Fülle. Im deutschen Kino eine Seltenheit. Ein Ereignis!"

Filmdienst Nr. 8/2000 (Ralf Schenk)

"´Die Unberührbare´ist eine Reflexion über verlorene Ideale: Im Niedergang einer Frau konzentriert sich so der Abgesang auf eine ganze Generation.
Am intensivsten aber ist Roehlers Film als Portrait einer einsamen Frau, die im Großstadtdschungel umherirrt und die sich in dem ihr stets komplizierter scheinenden Geflecht aus persönlichen, sozialen und politischen Beziehungen nicht mehr zurechtfindet. Monomanisch hat sie sich einen eigenen Kosmos geschaffen, schreibt gegen den Luxus, während sie in ihm schwelgt, definiert alles von sich und für sich, aber ist doch nicht fähig zu echter Kommunikation. Eigentlich ein Monster. Und dennoch eine Frau, mit der man mitlebt und -fühlt. Die Bilder zeigen eine alternde, ausgebrannte Frau, die dennoch vor Schönheit schier zu brennen scheint...
Ein Film, in dessen stilisierten Schwarz-Weiß- Einstellungen Einsamkeit und Verzweiflung zu abstrakten Bildern unendlicher (Sehn-)Sucht gerinnen, und der gleichzeitig ganz hart am Leben balanciert."

tip 08/2000 - Annette Kilzer

"Dieses subtil inszenierte Drama gehört zum Besten, was der deutsche Film derzeit bietet."

Blickpunkt: Film

"Mit seinem aufwühlenden Film ´Die Unberührbare´ nähert sich Regisseur Oskar Roehler einem sensiblen Thema, denn die Geschichte der Autorin Hanna Flanders ist zugleich auch die Geschichte seiner Mutter... In dem sensiblen Portrait brilliert Hannelore Elsner neben Vadim Glowna und Michael Gwisdek."
Leipzig-life.de
"Gespielt wird Gisela Elsner von einer wirklich atemberaubend präsenten und mutigen Hannelore Elsner"
Aspekte-Moderatorin Luzia Braun

"Feinfühlig und eindringlich spielt sie eine hochintelligente Frau, die den Kontakt zur Wirklichkeit verliert."
"Seit Fassbinder das Beste im deutschen Film, mit Hannelore Elsner in der Rolle ihres Lebens."

ZDF - Sendung "Aspekte" am 24.3.2000
"Frauen geraten offenbar schneller in Vergessenheit als Männer, zumindest im Kulturbetrieb. So eine Schriftstellerin war/ist Gisela Elsner. Sie reagierte sensibler auf die kalten Unterströmungen einer sich selbst feiernden Gesellschaft als andere und legte den Finger in die Wunden. Eine Wiederentdeckung ihrer Schriften lohnt sich. Im April kommt dann ein Film in die Kinos, der Einblick in ihr Leben gibt und noch eine Entdeckung bietet - die der Schauspielrin Hannelore Elsner, die meist nur im Fernsehen zu bewundern ist. Zwei interessante Frauen, die trotz der Namensgleichheit, nicht miteinander verwandt sind und doch durch ihre Lebenserfahrungen in Beziehung zueinander stehen...
Hannelore Elsner verleiht dieser Frau eine beeindruckende Intensität."

3SAT - "Kulturzeit" (März 2000)