HANNA FLANDERS / GISELA ELSNER

Ausgangspunkt für seinen Film DIE UNBERÜHRBARE waren für Regisseur Oskar Roehler die letzten Monate im Leben seiner Mutter, der renomierten Schriftstellerin Gisela Elsner. 1964 hatte sie der Roman "Riesenzwerge" berühmt gemacht. Die streitbare Autorin starb 1992, nachdem sie sich aus dem vierten Stock eines Krankenhauses gestürzt hatte. Dazwischen lag eine schriftstellerische Karriere, die von großen Erfolgen, Selbstzweifeln und zunehmender Isolierung geprägt war. Die Tochter eines Industriemanagers und engagierte Linke litt zeitlebens an ihrer Zerrissenheit zwischen der Realität großbürgerlicher Sicherheit und dem Traum von absoluter geistiger und persönlicher Freiheit. Im Geiste der Studentenbewegungen von 1968 sah Gisela Elsner letzteren in der DDR weitgehend realisiert. Sie selbst diente dem ostdeutschen Kulturbetrieb zeitweilig als "antikapitalistisches" Aushängeschild. In den 80er Jahren war die Schrifstellerin im Osten populärer als im Westen. Deshalb brach für Gisela Elsner mit dem Fall der Berliner Mauer auch eine persönliche Welt zusammen. Vor diesem Hintergrund drehte Oskar Roehler mit DIE UNBERÜHRBARE das Psychogramm einer vom Leben enttäuschten einsamen Frau. Ein Film in Schwarzweiß. Schwarz und Weiß waren die Lieblingsfarben von Gisela Elsner.
 

ZUM BEISPIEL HANNA FLANDERS

Mit seinem Film DIE UNBERÜHRBARE hat Oskar Roehler nicht nur seiner Mutter, der Schriftstellerin Gisela Elsner, ein Denkmal gesetzt, sondern einen Nachruf auf eine ganze Generation gedreht. Seine Hanna Flanders, die von Hannelore Elsner faszinierend dargestellt wird, ist eine alternde Intellektuelle, die an ihren Selbstzweifeln und ihrer Weltfremdheit zerbricht. Der Film reflektiert eine Generation, die den Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit verloren hat, bemerkenswerter Weise ohne zornige Untertöne.
Oskar Roehlers Film ist ein Erklärungsversuch darüber, warum ein Mensch den Boden unter den Füßen verliert. DIE UNBERÜHRBARE ist das zeitlose Psychogramm vom Absturz einer Persönlichkeit. Das tragische Leben und Sterben der Gisela Elsner diente Oskar Roehler dabei als Hintergrund, vor dem er die Dramaturgie seines Films entwickelt hat.